top of page

Die Marienburg im Winter 2025 - Gedicht


Pelagiberg, Dezember 2025

Das Jahr hat sich gerundet, schon ist das Ende in Sicht. Es war ein sehr spezielles Jahr für mich und gewiss auch für viele andere; denn ich habe meine grosse, sehr schöne Wohnung am Stadtrand von Luzern verkauft, d.h. heimkehren kann ich nicht mehr. Das Gehen macht mir mehr und mehr Mühe; ständig jemanden fragen für kleine Kommissionen ist mühsam, der Gang zur Hl. Messe wäre jetzt daheim unmöglich. Meine Verwandten in Luzern wohnen am äussersten Stadtrand. So blieb für mich nur noch der Eintritt ins Altersheim; so blieb die Lösung Marienburg – Pelagiberg im Kanton Thurgau.

Vor zwei Jahren machte ich hier einen Probeaufenthalt und hatte dann definitiv vor, hierher zu gehen. Hier im äussersten Thurgau in der Nähe vom Bodensee, was für uns Innerschweizer bereits Ausland ist. So sind Besuche von und aus Luzern ganz grosse Seltenheit. C’est la vie!

Doch hier auf dem Pelagiberg – das ist eine hügelige Erhöhung – ist auch gut sein. Nichts, gar nichts fehlt uns. Die Zimmer werden regelmässig sauber gemacht, die Bettwäsche gewechselt, die persönliche Wäsche und Kleider ebenfalls, alles im Pensionspreis inbegriffen, der viel niedriger ist als in Luzern.

Wer allerdings glaubt, hier dem Luzerner Nebel ausweichen zu können – nein, nein, der Nebel – wir sind ja nahe beim Bodensee – liegt all zu oft wie eine Flaumdecke über der Landschaft, doch ab und zu gibt es wunderbar sonnige Tage. Leider ist der Pelagiberg nicht im Tessin oder im Bündnerland, aber wie bei allem was kommt, muss man nehmen, wie es kommt.

Und ausschlaggebend für meinen Entscheid war die religiöse Atmosphäre, täglich mehrere Heilige Messen, dazu auch eucharistischer Segen und Rosenkranz – das alles ganz freiwillig.

Die Kost ist vielfältig und gut bürgerlich, und bei jeder Mahlzeit stehen mehrere rohe Salate bereit. Die Angestellten sind liebenswürdig und hilfsbereit, auch in der Nacht.Der Arzt kommt regelmässig ins Haus, und wenn nötig, kann man auch zu ihm gefahren werden.

Die Landschaft ist ein grünes Hochtal mit Wiesen und Äckern, umsäumt von dunklen Tannenwäldern. Da und dort steht ein Bauernhof dazwischen. Wie sollte man da nicht zufrieden sein?

Ein alter Pensionär aus Bern – früher Ingenieur bei der SBB – sagte mir neulich: «Man geht doch nicht freiwillig aus dem Paradies fort.» – Wie sollte man da nicht zufrieden sein?

Nur eben: traute Heimat meiner Lieben! Nur eben: wenn alle nahen Verwandten schon vorausgegangen sind, wenn kein nahes Du mehr erreichbar ist!? – So verbringe ich halt hier meinen Lebensabend auf die bestmögliche Art!

Es hat noch einige Zimmer hier frei. Schaut sie Euch an, macht ein paar Probetage und entschliesst dann nach Eurem Gutdünken, wie ich es auch gemacht habe.

Ganz herzliche Weihnachtsgrüsse mögen Euch durch die Festtage auch ins neue Jahr begleiten!

Von Eurer Esther Ruch, die glaubt, für sich richtig entschieden zu haben.


 
 
 

Kommentare


bottom of page